Nachfolgend finden Sie Informationen zu folgenden Themen:

Eine kurze Information zum Thema „Sexuelle Gewalt“
Präventionsgrundsätze und Erziehungstipps
Zur Sicherheit – was kann ich tun? (Sicherheitstipps)
Links zum Weiterlesen

1. Eine kurze Information zum Thema „Sexuelle Gewalt“

Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche geschieht in den allermeisten Fällen im Familien- und Bekanntenkreis, sowie im sozialen Umfeld der Kinder. Fast jeder Täter war dem Kind vorher bekannt.
Das bedeutet, dass es natürlich weiter sinnvoll ist, Kinder zu warnen, nicht mit Fremden zu gehen etc., aber in den meisten Fällen reicht dies allein nicht aus.

Die Täter planen ihre Taten vorher, sichern sich das Wohlwollen und Vertrauen des Kindes, sind oft sehr nett und liebevoll und bereiten die Übergriffe vor. Sie machen kleine "Tests", indem sie dem Kind körperlich zu nahe kommen und prüfen, wie das Kind reagiert.

Gleichzeitig versuchen sie das Kind dazu zu bringen, nichts von dem Geschehen weiter zu erzählen. Dazu arbeiten Sie mit Aussagen wie: "Das ist unser Geheimnis", "Das mache ich nur, weil ich dich so lieb habe", "Deine Mama wird traurig, wenn sie hört, dass du böse zu mir bist", bis hin zu Drohungen.

Wie kann ich folglich mein Kind vor sexueller Gewalt schützen?

Prävention ist eine Erziehungshaltung und beginnt früh. Grundsätzlich gilt:

° Keine Angst machen
° Selbstbewusstsein stärken
° Handlungsmöglichkeiten zeigen (Selbstverteidigung und Selbstbehauptung)
° Kinder informieren und aufklären

Wo erhalte ich näherer Informationen?
Übers Internet (siehe unsere Seite mit links) sowie bei Einrichtungen wie "Notrufe bei sexualisierter Gewalt", Polizei, Jugendämter, Beratungsstellen etc.

Für den Raum Regensburg: Notruf und Beratung e.V.: Beratungs- und Fachzentrum gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen
Alte Manggasse 1, 93047 Regensburg, Tel. 09 41 / 2 41 71
www.frauennotruf-regensburg.de

2. Präventionsgrundsätze und Erziehungstipps

Wenn sie ihr Kind vor Übergriffen jeglicher Art schützen wollen, reicht es nicht, dem Kind Hinweise zu richtigem Verhalten zu geben. Prävention bedeutet, wichtige Grundsätze in die alltägliche Erziehung des Kindes einfließen zu lassen.

1. Grundsatz: Keine Nähe auf Kommando

Ein Kind hat jederzeit das Recht, Berührungen jeglicher Art abzulehnen, auch wenn es sich um liebevolle Gesten von Verwandten handelt. Unterstützen Sie das Kind darin, sich höflich abgrenzen zu dürfen, anstatt es motivieren zu wollen, "der Oma zuliebe" über seinen Schatten zu springen.

Bedenken Sie, viele Täter arbeiten mit emotionaler Erpressung (und sind dem Kind gut bekannt): "Wenn du mich da nicht anfasst, bin ich traurig". Es ist also wichtig, dass es für das Kind selbstverständliche Gewissheit wird, über seinen Körper selbst bestimmen zu können, und wenn es jetzt keine Berührung, kein Bussi will, dann muss das akzeptiert werden.

Gleichzeitig können Sie selbst Vorbild sein: Auch Sie haben das Recht, sich abzugrenzen, wenn Ihnen nicht nach körperlicher Nähe zumute ist.

2. Grundsatz: die Gefühle des Kindes ernst nehmen

Gefühle  sind unser angeborenes Orientierungssystem, das schneller arbeitet als unser Kopf. Scham signalisiert, dass Grenzen überschritten wurden, Angst signalisiert, dass Gefahr droht. Nur durch unsere Rückmeldung: du bist jetzt traurig, wütend etc. lernt ein Kind, die Dinge zu benennen, die es in sich fühlt und sich auf sein Orientierungssystem zu verlassen. Es ist wichtig, dass es darauf reagiert, wenn es eine Situation als komisch oder bedrohlich empfindet, sonst besteht die Gefahr, dass es auf Übergriffe vom Täter nicht mit Abgrenzung oder Weglaufen reagiert.

Leider neigen wir in der Erziehung dazu, Kindern ihre Gefühle wegzureden, so dass es für sie schwerer wird, ihren Gefühlen zu vertrauen. Wir sagen oft: Es gibt keinen Grund, jetzt sauer zu sein oder Stell dich nicht so an, dass hat ja gar nicht weh getan oder Du brauchst keine Angst zu haben. Tatsache aber ist, dass die Gefühle einfach da sind und als Gefühle akzeptiert werden müssen; der erzieherische Umgang bezieht sich mehr auf den Ausdruck des Gefühls. So ist es in Ordnung, wütend zu sein, aber nicht in Ordnung, jemanden in seiner Wut zu schlagen.

Wenn Gefühle zunächst angenommen werden, fällt auch der Umgang damit leichter: wenn ich meine Angst haben darf, entwickle ich eher Strategien im Umgang damit, als wenn sie mir ausgeredet wird. Also: im Umgang mit dem Kind vermutetes Gefühl rückmelden, benennen und akzeptieren, dann Hilfestellung geben, wie das Kind mit dem Gefühl umgehen könnte.

Sie werden sehen, heftige Gefühle beruhigen sich schneller, wenn sich das Kind mit seinem Gefühl angenommen und verstanden fühlt.

 

3. Grundsatz: das Kind darf Grenzen setzen und Nein sagen

Ein Kind, das zu angepasst ist und sich niemals trauen würde, einem Erwachsenen zu widersprechen, schwebt in großer Gefahr, sich auch einem Täter nicht zu widersetzen. Deshalb ist es wichtig, dass Grenzen, vor allem auch Körpergrenzen, des Kindes respektiert werden. Das heißt z.B. nicht zum essen zwingen, nicht schlagen, es nicht mit Gewalt zu etwas bewegen wollen, Machtkämpfe vermeiden.

Lassen Sie das Kind bei wichtigen Familienthemen mit zunehmendem Alter immer mehr mitbestimmen, akzeptieren Sie ein Nein des Kindes, wenn es Ihnen berechtigt erscheint. Nein, ich möchte am Familienausflug nicht teilnehmen, sollte bei einem 12jährigen o.k. sein, bei einem 6jährigen geht das natürlich nicht. Aber es ist wichtig, dass Kinder ein Gefühl von Selbstwirksamkeit entwickeln, das ist der beste Schutz, den Sie ihm mitgeben können. Kinder, die sich oft als ohnmächtig erleben, wehren sich weniger.

Natürlich gibt es Kinder, die Grenzen extrem austesten und bei denen es nicht ratsam ist, zu viel Raum für Diskussionen zu lassen.  Da Sie als Eltern Vorbildfunktion haben, ist es ebenso wichtig, dass Sie Nein sagen und bei einem Nein bleiben können, auch wenn das Kind gegen Sie rebelliert. Eine gute Streitkultur ohne Beleidigungen oder Herabsetzungen macht Kinder stark.

4. Grundsatz: dem Kind vermitteln, dass es sich jederzeit Hilfe holen darf
 
Viele Kinder, vor allem Jungen, glauben, sich Hilfe zu holen sei ein Zeichen von Schwäche und sie würden petzen, wenn Sie sich bei einem Übergriff durch andere Kinder z.B. an einen Erwachsenen wenden. Hier ist es wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass es sein gutes Recht ist, sich Hilfe zu holen, wenn es ihm nicht gut geht. Da Täter oft mit emotionaler Erpressung arbeiten und nach Beginn der Übergriffe sagen: Dies ist jetzt unser Geheimnis, wenn du das weitersagst, dann.....kommst du ins Kinderheim, lacht dich jeder aus...etc, sollten Sie mit dem Kind über gute und schlechte Geheimnisse sprechen. Ein gutes Geheimnis ist z.B., wenn es mit seinem Freund einen Schatz versteckt und niemandem verrät, wo er sich befindet, aber ein schlechtes Geheimnis ist jedes Geheimnis, das dem Kind Bauchweh oder unangenehme Gefühle macht, und solche Geheimnisse darf und soll man immer weiter erzählen, das ist kein petzen.

5. Grundsatz: dem Kind glauben, wenn es von einem Übergriff berichtet

Wenn ihr Kind Ihnen erzählt, jemand habe es komisch angefasst, dann müssen Sie diese Äußerung ernst nehmen, auch wenn das Kind eine Person nennt, von der sie sich nicht vorstellen können, dass sie ein Täter ist. Täter kommen in allen Bevölkerungsgruppen vor und zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie vermeintlich besonders gut mit Kindern umgehen können. Also auch wenn die genannte Person ein Freund der Familie, eine vertraute Person ist oder ein wichtiges öffentliches Amt bekleidet: ein Kind denkt sich einen Übergriff nicht aus. Wenn es davon berichtet, dann ist das die Wahrheit.

3. Zur Sicherheit – was kann ich tun?

  • Falls mich eine fremde Person anspricht, dann halte ich Abstand, gehe niemals mit, bin vorsichtig und hole notfalls eine erwachsene Person zu Hilfe.
  • Ich gehe oder fahre nur mit Personen mit, die ich kenne und wenn ich die Erlaubnis dazu von meinen Eltern habe. Eine Mitfahrliste ist dazu hilfreich. Falls ich tatsächlich von einer anderen Person als ausgemacht abgeholt werde, dann können wir vorher ein Codewort ausmachen. Nur wenn die Person das Wort kennt oder eine bestimmte Frage beantworten kann, fahre oder gehe ich mit.
  • Ich nehme nichts von anderen Personen an, die ich nicht kenne.
  • Ich komme immer zu der Zeit nach Hause, die ich mit den Eltern vereinbart habe. Notfalls gebe ich über Handy/Telefon Bescheid, wenn ich das vorher mit meinen Eltern abgesprochen habe.
  • Keine Namen oder Adressen außen sichtbar auf dem Schulranzen anbringen.
  • Ich gehe nur den Schulweg, den ich mit meinen Eltern besprochen habe.
  • Falls mir auf dem Schulweg etwas Ungewöhnliches oder Komisches auffällt, teile ich das meinen Eltern oder meiner Lehrerin / meinem Lehrer mit.
  • Evtl. gemeinsam mit den Kindern überlegen, wo es Anlaufstellen für Hilfe auf dem Schulweg oder anderen oft zu gehenden Wegen der Kinder gibt.
  • Schlüsselkinder: Schlüssel am Körper und nicht von außen sichtbar tragen.
  • Falls ich bedroht werde oder mich unsicher fühle oder in Gefahr bin, dann hole ich mir Hilfe von anderen Personen.
  • Falls ich ein komisches Gefühl oder Bauchkribbeln habe, dann ist das ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Dieses Gefühl warnt mich und es ist wichtig, dass ich darauf höre.
  • Wenn ein Auto neben mir fährt, dann halte ich Abstand. Ich muss nicht mit dem Erwachsenen sprechen, auch wenn er nur nach dem Weg fragen will. Ich kann in die Gegenrichtung gehen oder mir Hilfe holen.
  • Falls ich Hilfe brauche, kann ich folgendes sagen:  
    1. „Ich habe Angst. Bitte helfen Sie mir“
    2. Ich erzähle dann, was passiert ist.
    3. „Bitte rufen Sie meine Eltern an“
    4. „Ich bestehe darauf, dass Sie mir helfen“.
  • Ich kann immer weglaufen, mir Hilfe holen, mich mit Worten oder körperlich wehren und laut schreien. Wenn ich Aufmerksamkeit errege, dann hilft mir das.
  • Polizei: Ich kann mitgehen, aber nur wenn ein Polizeiwagen daneben steht. Kinder können von der Polizei nicht festgenommen werden!
  • Polizisten in Zivil oder nur der Ausweis genügen nicht. Ich lasse diese auch nicht in die Wohnung hinein.
  • Kinder allein zuhause:
    - Sicherheitsvorschriften erklären (Unfall, Feuer)
    - Hilfsmöglichkeiten: gemeinsam überlegen, wen die Kinder im Notfall anrufen können.
    - Nicht die Tür öffnen und keinen Hinweis geben, dass man alleine zuhause ist.
  • Telefonanrufe:
    - nur „Hallo“ sagen; Nicht sagen, dass man alleine zuhause ist
    - bei obszönen oder komischen Anrufen sofort auflegen und es weiter erzählen
    - wichtige Telefonnummern sichtbar machen
  • Wenn ich als Erwachsener bemerke, dass ein Kind mit einem anderen Erwachsenen nicht mitgehen will und sich wehrt oder Angst hat, dann frage ich das Kind, ob es denjenigen kennt und ob es mitgehen will.
    Wenn nicht: „Lassen Sie sofort das Kind los, sonst rufe ich die Polizei „ – und das dann auch tun (Handy bzw. jemand anderen um das Telefonat oder Handy bitten).
    Noch mal:
    1. „Kennst du diesen Menschen?“
    2. „Möchtest du mit ihm mitgehen?“
    3. Polizei rufen, bei dem Kind bleiben, Hilfe holen
  • Wenn Kinder uns etwas erzählen, gefasst bleiben, Ruhe bewahren und ihnen glauben. Sonst erzählen die Kinder uns nächstes Mal nichts mehr, weil sie uns schützen und uns keine blöden Gefühle machen wollen.
  • Wenn sich die Kinder bei mir wegen jemandem beschwerden: ernst nehmen, mit demjenigen sprechen, fragen was los war, sagen, dass wir geredet haben. Wichtig ist, dass man etwas tut.
  • Thema Hunde: Nicht weglaufen, nicht schreien oder mit den Armen fuchteln, nicht direkt in die Augen des Hundes schauen – das fördert die Aggression des Hundes.
    Sondern: ruhig stehen bleiben, sich zur Seite drehen und den Hund von der Seite beobachten und sich evtl. langsam zurückziehen. Warten, bis sich der Hund beruhigt hat und sich entfernt.

4. Tipps und Links

Fachbuchhandel, Materialien, Beiträge und weitere Links unter
www.donnavita.de

Weitere Information unter:

www.frauennotruf-regensburg.de
Hilfe, Rat und Unterstützung bei sexualisierter Gewalt im Raum Regensburg

www.landratsamt-regensburg.de
Kreisjugendamt Regensburg

www.buendnis-fuer-kinder.de
Stiftung „Bündnis für Kinder – gegen Gewalt“

www.bmfsfj.de
Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

www.bundesverein.de
Bundesverein zur Prävention von sexuellem Missbrauch

www.dggkv.de
Deutsche Gesellschaft gegen Kindesmisshandlung und -vernachlässigung

www.jugendschutz.de
Jugendministerien der Länder

www.kinderschutz-zentrum.ord
Kinderschutzzentren in Deutschland

www.youngavenue.de
Informationsseite für Kinder der Kinderschutzzentren

www.zartbitter.de
Zentrum gegen sexuelle Gewalt in Köln